Zwischen den Weltkriegen

1929
Ewald Zeuchner, Musikmeister des ehemaligen Garde-Jäger-Bataillions Potsdam, übernimmt das Musikkorps. Durch eine systematische Ausbildung verdoppelt er die Zahl der Musiker in kürzester Zeit. Bedingt durch die Anschaffung neuer Instrumente ist das Städtische Orchester Olpe – unter diesem Namen tritt es 1930 bis 1933 neben dem dienstlichen Titel ebenfalls auf – hoch verschuldet. Die vielen Auftritte, deren Konzertprogramme fast vollständig vorliegen, zeugen von dem hohen musikalischen Standard des Orchesters und helfen über die finanziellen Schwierigkeiten hinweg. Ewald Zeuchner macht sich einen Namen als Dirigent und Ausbilder. Außerdem schreibt er drei Marschbücher und ein Ständchenheft. Eine Sammlung, die heute einen unvorstellbaren Liebhaberwert besitzt, da sie vollständig erhalten geblieben ist.
Ewald Zeuchner ist zudem das, was man heute als Marketingfachmann bezeichnen könnte. Er schreibt beliebte Ausflugsziele und Hotels in Westfalen und insbesondere im Rheinland an und bietet das Olper Feuerwehrmusikkorps mit seinen Konzertprogrammen als kulturelles Highlight mit hohem Unterhaltungswert an. Viele Auftritte kommen auf diese Weise zustande, verbessern die finanzielle Situation und machen den Musikzug nun auch landesweit bekannt.
Auch in Olpe selbst ist es unter Zeuchner eine Selbstverständlichkeit, dass der Musikzug jährlich an die vier bis fünf Saalkonzerte, zumeist im Schwanensaal aber auch im Saal des Gasthofes Boge und in der Aula der St.-Franziskus-Schule Olpe vor jeweils ausverkauften Häusern gibt.
Am bekanntesten wird Zeuchner durch den von ihm komponierten Olper Schützenmarsch, der bis heute stets als letztes Musikstück aller auf dem Olper Schützenfest gegebenen Militärkonzerte erklingt.
1930
Anlässlich der Einweihung des Aussichtsturmes auf der Hohen Bracht spielt das Musikkorps erstmals im Rundfunk (12.01.1930).
1932
Feier des 50jährigen Bestehens des Musikkorps. Die Festschrift zeigt, welch anerkannte Stellung sich die Feuerwehrkapelle auch über die Stadtgrenzen hinaus erworben hat.
1933
Der Musikzug wird unter Androhung einer Zwangsauflösung gezwungen, als „Standarten-Kapelle 79“ aufzutreten. Durch diese Verfügung ist der Musikzug verpflichtet, zu nahezu allen großen Veranstaltungen der NSDAP im heimischen Raum aufzuspielen. Die musikalische Entfaltung ist von 1933 bis 1935 daher erheblich eingeschränkt, zumal alle Konzertprogramme genehmigungspflichtig werden. Trotzdem hält der Musikzug als Orchester der Feuerwehr seine rege Konzerttätigkeit in Olpe und weit darüber hinaus aufrecht.
1934
Der Musikzug übernimmt als „Standarten-Kapelle 79“ die Festmusik zum Olper Schützenfest vom 14. bis zum 16. Juli.
1937
Der Landrat des Kreises Olpe untersagt dem Musikzug, bei konfessionellen Anlässen wie z. B. Prozessionen in Feuerwehruniform aufzutreten. Auch hier zeigt sich, dass die Nazis Einfluss auf nahezu alle Lebensbereiche nehmen. Die musikalische Begleitung der Gottesdienste und Prozessionen in ziviler Kleidung bleibt weiterhin gestattet.
1938
Otto Meyer, ehemaliger Militärmusiker, übernimmt nach dem plötzlichen Tode Ewald Zeuchners die Leitung.


1939
Wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges veranstaltet „Die Deutsche Arbeitsfront“ ein dreitägiges „Großes Volksfest“ vom 19. bis zum 21. August auf einem geräumigen Platz unterhalb des Olper Kreuzberges mit Konzerten, Biergarten, Tanz, Kinderbelustigung, Karussells, Feuerwerk u. s. w.. Der Musikzug übernimmt an den Festtagen die musikalische Gestaltung. In einem gut erhaltenen Film vom Fest ist auch der Musikzug unter Leitung von Otto Meyer in Aktion zu sehen (Filmarchiv Landschaftsverband Westfalen-Lippe -Westfalen im Film, Folge 3 Volks-Feste – zu sehen online auf YouTube). Dies sind die ältesten bisher bekannten Filmaufnahmen vom Musikzug.
Während des Zweiten Weltkrieges kommt die Vereinsarbeit fast vollständig zum Erliegen. Von 1940 bis 1945 erhält die Kapelle den offiziellen Titel „Musikkorps der Freiwilligen Feuerlöschpolizei Olpe“, tritt aber niemals unter diesem Namen auf.


