Tradition im Takt der Zeit

Wiederaufleben nach dem Krieg und die Ära Kretschmer

1954 Kerkrade, Marsch im Stadion.

1945

Im Herbst dieses Jahres hat der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Olpe, so sein heutiger Name, eine Stärke von 29 Musikern. Einige Kameraden sind im Krieg gefallen, werden vermisst oder befinden sich noch in Kriegsgefangenschaft. Willi Weber übernimmt die Leitung, bis ein neuer Dirigent verpflichtet werden kann.

1946

Nach intensiven Proben findet am 03.02.1946 das erste Konzert nach dem Krieg unter der Leitung von Willi Weber statt. Auf dem Programm stehen u. a. so anspruchsvolle Werke wie die Ouvertüren zu den Opern „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach und „Alessandro Stradella“ von Friedrich von Flotow.

1948

Stabsmusikmeister a. D. Karl Kretschmer (ehemaliges Infanterie-Regiment 50 Landsberg a. d. Warthe) übernimmt die Leitung des Musikzuges. Im gleichen Jahr führt die Kapelle die Festmusik zum ersten Olper Schützenfest nach dem Kriege aus.

Mit Karl Kretschmer wird ein neues musikalisches Kapitel aufgeschlagen. Er führt den Musikzug in den 1950er Jahren zu internationalen Wettstreiterfolgen.

Kretschmer komponierte einige sinfonische Werke eigens für den Musikzug. Die Uraufführungen der „Fantasie über das Westfalenlied“ (1950), „Sauerländische Skizzen“ (1951), „Festliches Präludium“ (vermutlich 1953) und „Musik für Orgel und Blasorchester“ (1960) werden vom Publikum jeweils begeistert aufgenommen. Karl Kretschmer hatte in Berlin bei Paul Hindemith Kompositionslehre studiert. Hindemiths Leidenschaft für neue Klänge ist deutlich in Kretschmers Werken zu erkennen.

1948 Schützenfest Olpe , Dirigent Karl Kretschmer.

1951

Teilnahme am Internationalen Musikwettstreit in Kerkrade/Holland. Der Musikzug erringt einen 1. Preis im Marsch- und einen 2. Preis im Konzertwettstreit.

1952

Internationaler Musikwettstreit in Lienz/Tirol. Die Feuerwehrkapelle wird mit zwei 1. Preisen in der Konzert- und Marschmusik ausgezeichnet und erhält gleichzeitig den Pokal des Bundeskanzlers von Österreich.

1954

Beim diesjährigen Wettstreit in Kerkrade spielt der Musikzug in der höchsten Klasse und kehrt mit drei 1. Preisen im Konzert-, Marsch- und Ehrenwettbewerb zurück. Die Olper Bevölkerung bereitete den Musikern bei ihrer Rückkehr einen begeisterten Empfang.

1958

Im Juni 1958 wird die neu erbaute Olper Stadthalle eröffnet. Der Musikzug beteiligt sich an den Eröffnungsfeierlichkeiten mit einem Festkonzert am 3. Juni.

Die Olper Stadthalle wird nicht nur aus Steuergeldern finanziert. Einen wichtigen finanziellen Beitrag zum Bau der Halle leistet der eigens gegründete Hallenbauverein, an dem sich auch der Musikzug beteiligt.  Ab 1951 bis Anfang der 1960er Jahre wird von jeder verkauften Konzertkarte ein Obolus an den Hallenbauverein abgeführt. Da der Musikzug in jedem Jahr mehrere stets ausverkaufte Konzerte im Schwanensaal und anderen Olper Sälen gibt, kann er zur Realisierung des Bauprojektes einen erheblichen finanziellen Anteil beitragen.

Zum dritten Mal stellen sich die Musiker im August den Preisrichtern in Kerkrade und gewinnen einen 1. Preis im Marsch und einen 2. Preis im Konzertwettbewerb.

1959

Der Musikzug richtet anlässlich seines 75jährigen Bestehens einen Internationalen Musikwettstreit aus. Er erfährt dabei große Unterstützung seitens der Olper Bürger und befreundeter Musikvereine aus der Nachbarschaft. Rege Teilnahme von Kapellen aus dem In- und Ausland lassen diese Veranstaltung und die weiteren Jubiläumsfeierlichkeiten zu einem überwältigen Erfolg werden. Das Jubiläum mit allen Veranstaltungen hätte zeitgerecht eigentlich schon 1957 gefeiert werden sollen, doch die Stadthalle Olpe konnte erst 1958 fertiggestellt werden. Da der Musikzug unbedingt auch in der neuen Halle feiern wollte, wurden die Festlichkeiten auf die Jahre 1958 und 1959 verschoben.

1958 Programm Festkonzert am 3. Juni zur Eröffnung der Stadthalle.
1959 Kommers in der Stadthalle, Gäste aus Österreich gratulieren dem Vorsitzenden Georg Süttmann.

1960

Zwei 1. Preise erringt die Feuerwehrkapelle bei einem Internationalen Musikwettstreit in Aarhus, Dänemark.

1961

Internationales Musikfestival in Neheim-Hüsten. Als bester deutscher Teilnehmer gewinnt der Musikzug zwei 1. Preise.

1962

In diesem Jahr unternimmt der Musikzug eine Reise nach Berlin und gibt hier mehrere Konzerte und Ständchen, u. a vor dem Schöneberger Rathaus.

In den Folgejahren scheiden einige Musikkameraden altersbedingt aus. Den Musikzug plagen Nachwuchssorgen. Auch vielen anderen Vereinen macht dies zu schaffen. Nachdem die kargen  Nachkriegsjahre überwunden sind, genießt man nun in den 1960ern die Vorzüge des ständig wachsenden Wohlstandes und der moderner werdenden Welt. TV und Kino bieten beispielsweise attraktive Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Trotz des Mitgliederschwundes kann der Musikzug immer eine spielfähige Besetzung aufrecht erhalten.

1965

Der Musikzug gibt Konzerte in Olpe und Lüdenscheid, zu denen er den Ausnahmetrompeter Prof. Franz Willy Neugebauer als Solisten verpflichtet. Neugebauer ist regelmäßig im Radio zu hören und gilt europaweit als einer der virtuosesten Trompeter.

1962 Platzkonzert vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin.
1965 Konzert in der Stadthalle Olpe am 3. April mit Prof. Franz Willy Neugebauer.